Wort zum Mai

Geht man in Münster an der Aa spazieren, so trifft man in der Nähe der Überwasserkirche auf die von Heinrich Lienenkamp 1965 geschaffene Madonna. Tänzerisch kommt sie uns entgegen: Das linke Bein ein wenig angewinkelt, berührt ihr Fuß nur leicht die Erde, ihre Gewänder schwingen, Spiegel einer vorangegangen, freien Bewegung, erstarrt in Grenzheimer Muschelkalk. Der rechte Fuß ruht auf einer Schlange, dem Symbol für das Böse: Maria siegt mit Leichtigkeit. Jeder weiß, dass gefährliche  Schlangen nur mit Sicherheitsmaßnahmen und speziellem Werkzeug beherrscht werden können – die Gottesmutter aber würdigt das Reptil keines Blickes. Ihr Gesichtsausdruck ist nicht der einer konzentrierten Jägerin, nicht der einer ängstlichen Bedrohten, nicht der einer mächtigen Rächerin gegen all das Leid, das durch Böses hervorgerufen wird: Maria lächelt. Kein entrücktes Lächeln, sondern ein vergnügtes, ganz natürliches. Sie blickt zur Seite, den Kopf ein wenig geneigt, die Hände nur leicht zum Gebet erhoben, ohne jede formalistische Strenge. Sie weiß, woher ihre Kraft kommt. Sie weiß, dass es letztlich Gott ist, der durch sie sein Ziel, die Macht des Bösen zu brechen, vollbringt. Mühelos, leicht, in einer tänzerischen Bewegung, mit einem Lächeln auf den Lippen kann sie sein, wer sie ist: ein Werkzeug Gottes.

Tanz gilt in vielen Kulturen als ein Mittel zur Erfahrung von Transzendenz, der Verbindung zwischen Irdisch-Greifbarem und der heilbringenden, himmlischen Sphäre. Die Botschaft der Madonna von der Aa kann uns Vorbild sein: Wie oft möchte man im Angesicht von Leid und Ungerechtigkeit aufschreien: Veränderung, jetzt, sofort, ohne Kompromisse! Und wie oft hat diese Zielsetzung Recht und ist doch so unerreichbar. Wer aber frei tanzt, konzentriert sich in erster Linie auf sich selbst, findet zu seinem eigenen Wesen zurück, drückt sich aus, versteckt sich nicht, tritt ans Licht. Wer frei tanzt, streckt sich aus, spürt seine Muskeln und Sehnen, zieht den Kopf nicht ein und lässt den Rücken nicht gebeugt. Tanz kann einem Menschen das Gespür für die eigene Würde zurückgeben.

Die Madonna von der Aa kann uns erinnern: Gott hat jeden, jede von uns auf einen Sinn hin geschaffen. Lasst uns diesen Sinn suchen und ihn leben. Und so Gott will, wird auch unser ‚Tanz‘ dabei Böses und Unerträgliches vernichten, so wie es in der Bibel heißt: „Gott, der euch beruft, ist treu; er wird es tun.“ (1 Thess 5,24)

 

Aktuelles

[23.04.2019] Resonanz fand der durch das Kirchenfoyer organisierte Literarische Karfreitag auch in den Westfälischen Nachrichten. Lesen Sie unter diesem Link den gesamten Artikel https://www.wn.de/Muenster/Kultur/ weiterlesen...
[11.03.2019] Das dritte Licht von Claire Keegan   An einem heißen Sommertag, gleich nach der Frühmesse, liefert ein Vater seine kleine Tochter bei entfernten Verwandten auf einer Farm im tiefsten Wexford ( Irland weiterlesen...
[19.12.2018] In diesem Jahr erzielt der Cityadvent in der Überwasserkirche unter dem Motto #erscheintuns einen neuen Besucherrekord! Mehr als 50.000 Menschen durften wir eine kleine Sternstunde schenken: https://w weiterlesen...
[10.12.2018]   Bereits nach eineinhalb Wochen haben wir 25.000 Besucher gezählt - wir freuen uns riesig und es #erscheintuns wie ein Wunder, dass wir so vielen MünsteranerInnen und BesucherInnen einen Sternenmome weiterlesen...
[12.11.2018] Im Kirchenfoyer gibt es wie jedes Jahr die "echten" Nikoläuse: Nicht als Weihnachtsmann, sondern als Bischof von Myra in vollem Ornat! Für 1,50 Euro - fair gehandelt! Viele Besucher haben Freunden u weiterlesen...